30 11 2005
#957

SUNN vs Zeit

Commentary by Kevin Archut:

Hi Stephen,

yes, it finally happened- Germany's intellectual elite got infected by the Sunn virus. Last thursday the (large) weekly newspaper "Die Zeit" featured an article on Sunn, which turned out to be astonishingly positive in its meaning, although author Thomas Winkler rewoke the ridiculous cliche that metal (he said "hardrock") was "music for brain amputated people" etc. Despite this supercifial point of view (I am proud of being that primitive..hiärrrrrch!) he noticed that you pushed metal's limitation to a higher lever, and that your music works in a very physical way (in my opinion metal is also a very physical kind of music anyway, but how could he know;-), and compares it to Techno and Trance because it also creates "Schwingungen" of the body... On the other hand, his conclusion that Sunn evolved to "an avantgarde toy for academics" (ehem...) is hard for me to understand- if this music works in a very physical way, why should one care about the listener's level of education? He doesn't see the point that physical "primitiveness" and an intellectual mind are things that can be well combined - at least in my opinion.

Yours,

Kevin Archut, Goettingen

http://www.zeit.de/2005/48/D-Rubrik_rechts_48

...and the article for those apt in Deutsche:

ZEIT.DE » FEUILLETON » pop

Laute Mönche
Von Thomas Winkler

Der Bundesgesundheitsminister warnt: Die Rezeption von sunn0))) gefährdet die Gesundheit. In einzelnen Fällen, so verkündet das Duo auf seiner Homepage nicht ganz ohne Stolz, kann es zu Nebenwirkungen wie »Übelkeit« oder »spontaner Darmentleerung« kommen. Solche Kollateralschäden muss in Kauf nehmen, wer an den äußersten Rändern der Wahrnehmung agiert, denn sunn0))) machen Musik, die weniger zu hören ist als zu spüren.

Für ihre Auftritte hüllen sich Steve O’Malley und Greg Anderson in Mönchskutten, drehen ihre Verstärker, nach deren Hersteller sie sich benannt haben, auf bis zum Anschlag und beginnen zu improvisieren. Da flattern die Innereien, noch bevor ein Ton erklingt, und bei 120 Dezibel Minimum mutiert die Magenhöhle zum Resonanzkörper. Ein Effekt, der selbst in konservierter Form wie auf dem Album Black One (Southern Lord/Soulfood) überraschend gut nachvollziehbar ist: Mit elektrischen Gitarren, Verzerrern und Rückkopplungen wird die hohe Kunst des Brummens betrieben, niedrigfrequentes Gurgeln in allen denkbaren Ausformungen, Maschinenrauschen ohne störende Beigabe von Rhythmik, Kindermörderstimme oder Gitarrensolo. Die üblichen Ingredienzen des Metal finden sich nurmehr als ferner Widerhall, als graue Schatten in einem gewaltigen Auf- und Abschwellen.

Die beiden New Yorker gehören zu den dienstältesten Klangforschern im Genre, allein sind sie mit ihrem experimentellen Ansatz längst nicht mehr. Bands wie Pelican, Khantate oder Ortrelm versuchen sich so erfolgreich an der Verstörung der Zuhörer, dass die New York Times das Zeitalter des »art-metal« heraufdämmern sah. So stammen die Soundfarben zwar aus dem Metallhandwerk, die Ideen aber aus dem Jazz, und der tiefer gelegte Hardrock, bislang eher als Musik für Gehirnamputierte angesehen, wird zum Avantgarde-Spielzeug für Akademiker. Im traditionell konservativen Metal selbst werden die Erneuerer noch misstrauisch beäugt, dafür aber öffnen sich neue Verwandtschaften: Tatsächlich funktionieren sunn0))) nach denselben Mechanismen wie Techno, Trance oder New Age. Hier wie dort wirkt die Musik unmittelbar auf den Körper und versetzt ihn in Schwingungen – mögliche unangenehme Nebenwirkungen inklusive.

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(c) DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48

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